24 Stunden Musical – die deutschsprachige Musical-Elite in Ahrensburg

24 Stunden Musical//Alfred-Rust-Festsaal Ahrensburg//einmalige Vorstellung am 03.11.2014

Ich hatte ja auf meinem Blog bereits kurz über dieses spannende Projekt berichtet! Als ich gelesen habe, welche Topriege deutscher Musicalstars Hauke Wendt von Musical Creations Entertainment für die Premiere des 24 Stunden Musicals in Deutschland ins Boot geholt hatte, war meine initiale Reaktion: Da MUSS ich hin!

Folgende Fakten waren mir vorab bekannt:

    • 16 renommierte Musicaldarsteller
    • 4 tolle Komponisten und ein Team von nicht Branchen unbekannten Autoren, Musikern und Regisseuren, und das Wichtigste:
    • nur 24 Stunden Zeit, um vier Musicals zu texten, zu komponieren, zu besetzen und einzustudieren. Sportlich, selbst für absolute Profis!

Extra für die Vorstellung waren die Producer der 24 Hour Plays aus New York, Philip Naudé und Kelcie Beene, angereist, um die deutschen Kollegen als Supervisor zu unterstützen.

In the last 24 hours we have seen moments of beauty and stupidity

, fasste es Philip Naudé zusammen, zeigte sich aber beeindruckt über die Leistungen des deutschen Teams.

Kommen wir zu den einzelnen Stücken des Abends:

Der Schwan

Buch: Kevin Schroeder
Musik: Lukas Höfling
Regie und Choreographie: Geriet Schieske
Musikalische Leitung: Patricia Martin
Assistenz Regie und Choreographie: Silvia Varelli

Darsteller: Nicky Wuchinger//Martin Pasching//Andy Bieber//Marja Hennicke

Die Geschichte ist schnell erzählt: Drei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, buhlen um die Zuneigung einer hübschen Dame. Dabei stellt der „Schwan“ ihre drei Verehrer auf harte Proben und alle Drei finden ihre ganz eigenen Strategien, sich durchzuschlagen, scheitern dennoch und kommen zur bitteren Erkenntnis, dass die Dame sie eigentlich alle zum Narren hält. Nicky Wuchinger, Martin Pasching und Andy Bieber bildeten ein lustiges Trio. Sie spielten chaotisch charmant und schafften es, Texthänger und vokale Disharmonien gut zu überspielen. Man verzieh es ihnen… Marja Hennicke spielte kokett, selbstbewusst und zeigte sich stimmlich stark.

Was kleines Gemeines

Buch: Titus Hoffmann
Musik: Thomas Borchert
Regie und Choreographie: Jacqui Dunnley-Wendt
Assistenz Regie und Choreographie: Anne-Katrin Böhm

Darsteller: Drew Sarich//Diana Mercoli Böge//Silke Braas//Lisa Antoni

Bei diesem Stück ließ mich vor allem der Komponist aufhorchen. Dass Thomas Borchert selbst komponiert, ist ja in der Szene bekannt. Gespannt war ich dennoch. Wie erwartet, lieferte Thomas Borchert eher swingige und Pop-Rock geprägte Melodien, was dem Hauptdarsteller von „Was kleines Gemeines“ Drew Sarich perfekt in die Karten spielte. Sarich mimte den Macho-Prinzen, dessen einziges Ziel es war, die verbleibenden Prinzessinnen rumzukriegen, die bisher von ihm unberührt blieben: Aschenputtel (Diana Mercoli Böge), Schneewittchen (Silke Braas) und Dornröschen (Lisa Antoni). Am Ende scheitert er kurz dem Ziel an Dornröschen. Obwohl Drew Sarich eindeutig der Star dieses Märchenmusicals der etwas anderen Art war, konnten die drei Damen stimmlich und schauspielerisch ihre Glanzpunkte setzen und das Stück abrunden – vom Gesamteindruck das stärkste Stück des Abends – was aber vor allem einem hochprofessionellen und ausdrucksstarken Drew Sarich geschuldet war.

Am Faden

Buch: Nina Schneider
Musik: Adrian Werum
Regie und Choreographie: Christoph Drewitz
Musikalische Leitung: Holger Kolodziej
Assistenz Regie und Choreographie: Kira-Lena Scharold

Darsteller: Wietske van Tongeren//Jennifer Siemann//Mathias Edenborn//Enrico de Pieri

Nina Schneider hatte sich mit ihrer Geschichte „Am Faden“ einiges vorgenommen: eine kritische Sicht auf die Generation 2.0, die soziale Kontakte und ihr Liebesleben fast nur noch über soziale Netzwerke organisiert. Die Geschichte dazu: Zwei Freundinnen wollen einen gemütlichen Abend in ihrer WG verbringen und freuen sich, dass das Paket mit den bestellten „Sex and the City“- DVDs endlich angekommen ist. Umso größer die Enttäuschung, als sie feststellen, dass der Inhalt des Pakets eine altmodische Marionette ist, die auch noch paranormale Aktivitäten entwickelt. Eine der Frauen hat den grandiosen Einfall, Geisterjäger zu rufen. Diese stehen auch schnell zur Stelle, entpuppen sich aber als Einbrecher. Dennoch halten sich die zwei eher inkompetent wirkenden Kleinkriminellen zurück und stehen den Frauen bei der Lösung des Rätsels um die Puppe bei. Ganz nebenbei werden zarte amouröse Bande geknüpft. Die Pointe der Geschichte: Ein Wissenschaftler, Wegbereiter des modernen Computers, versucht, mithilfe der Marionette eine Botschaft zu überbringen. Die Entwicklung der modernen Welt missfallen ihm und er würde seine Erfindungen gerne rückgängig machen, um Facebook und Co. ungeschehen zu machen. Die Gruppe stellt lapidar fest, dass dies längst zu spät sei.
Nun gut, die Geschichte von Nina Schneider hinkte etwas: nicht subtil genug oder nicht „hau drauf“ genug, sucht euch was aus. Ganz rund war sie leider nicht. Komponist Adrian Werum, der auf eigenen Wunsch auf die Band verzichtete und das Stück nur vom Klavier spielen ließ, hatte ein paar schöne Melodien und Duette für die starken Sänger, hier hervorgehoben Mathias Edenborn und Wietske van Tongeren, geschrieben. Unterhaltsam war es allemal.

Käse oder Wurst

Buch: Heiko Wohlgemuth
Musik: Johannes Glück
Regie und Choreographie: Denny Berry
Musikalische Leitung: Bob Edwards
Assistenz Regie und Choreographie: Sascha Theis

Darsteller: Charlotte Heinke//Lucius Wolter//David Arnsperger//André Haedicke

Kennen wir das nicht alle? Flugzeug, Dreierreihe, einer will schlafen, einer rutscht unruhig auf dem Sitz her, weil er schon seit dem Start „mal muss“, aber sich geniert, die anderen aufzuscheuchen. Die Stewardess schiebt künstlich gut gelaunt ihren Servierwagen durch den Gang und fragt: Käse oder Wurst?

So ähnlich startet das Stück „Käse oder Wurst“ von Heiko Wohlgemuth: Zwei vielreisende Vertreter, ein Drogenkurier, der sich schwört, seinen letzten Job dieser Art zu machen und eine überdrehte Stewardess, die von einem anderen Leben träumt. Nach kurzer Zeit entwickelt sich aus der zufällig zusammen gewürfelten Gruppe eine durch Liebe und gemeinsame Träume verbundende Schicksalsgemeinschaft. Großartig: David Arnsperger und André Haedicke als zunächst spröde, seriöse Vertreter, die sich unvermittelt schockverlieben und über den Wolken zu einem Walzer ansetzen, bei dem sie sich trotz Turbulenzen nicht stören lassen. Auch die Stewardess und der Drogenkurier finden zueinander und können ihr Glück kaum fassen, als der Flug nach Acapulco umgeleitet wird. Chaotisches Glück über den Wolken – mit choralen Gesängen, tollem Staging und witziger Choreographie von Regisseurin und Choreographin Denny Berry.

Resümee

So erleichtert die Darsteller am Ende des Abends wirkten, dass sie das Experiment und die 24 Stunden gut überstanden hatten, so beeindruckt zeigte sich das Ahrensburger Publikum, das auch aus vielen extra angereisten Musicalfans aus ganz Deutschland bestand. Schönes Detail dieser gelungenem Premiere: die Erlöse kommen der Lebenshilfe Stormarn zugute, denn alle Beteiligten verzichteten auf ein Honorar. Experiment gelungen! BRAVO und gerne wieder!

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